A.J. Raffles
Prolog

Während Lupin der König der Verbrecher und Collin ein gewitzter Hochstapler und Lebenskünstler ist, stellt A.J. Raffles den "echten Dieb" dar. Er agiert ohne Schar von Komplizen, tritt nicht unter falschem Namen auf, soweit es sich vermeiden lässt, und versucht auch nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Aber er macht sich wohl die Hände schmutzig, dringt des Nachts in Häuser ein, erbricht Tresorschlösser und flüchtet vor der Polizei, während er des Tags ein allseits beliebter und angesehener Cricketspieler ist.
Und doch gibt es für einen gebildeten Mann wie Raffles Dinge, die man einfach nicht tut. Auch nicht als Verbrecher. Dazu gehört unter anderem, die Gastfreundschaft von jemandem auszunutzen, um ihn zu bestehlen.
Sein einziger Gefährte ist Bunny, der Raffles' Taten aus seinem sehr eigenen und subjektiven Blickwinkel erzählt. Dass Raffles und Bunny nie einen besonders großen Wurf machten, steht genauso wenig zur Debatte wie Bunnys Mythisierung seines Freundes. Nachdem Raffles ihn vor der Schmach, seine Ehrenschulden nicht begleichen zu können, und vor dem Selbstmord bewahrt hat, folgt Bunny ihm überall hin. Auch wenn sein Gewissen ihm oft etwas anderes rät.
In England ist Raffles heute noch ein Begriff.
Hornungs Erstveröffentlichungen stammen aus den Jahren 1899-1905, der einzige Roman (ein Rückblick auf Raffles' erste Schaffensphase) 1909.

Protagonist/en

Arthur J. Raffles
Wann genau er geboren wurde, wird nie erwähnt.
Da er jedoch im 2. Burenkrieg (1899-1902) stirbt und zu der Zeit vielleicht Anfang 40 ist, ist er schätzungsweise um 1860 geboren.
Raffles hat in Cambridge studiert.
Als er zum ersten Mal die Bühne betritt, bewohnt er eine Wohnung im Albany und sein Freund nimmt von ihm an, dass er reich genug ist, den ganzen Sommer Kricket zu spielen und während des übrigen Jahres nichts zu tun. In Wirklichkeit ist Raffles des Tags ein angesehener Kricketspieler, der in vielen Clubs und bei Leuten von Rang und Namen ein und aus geht, während er sich des Nachts als Einbrecher und Dieb verdingt, um seinen Lebensstandard zu finanzieren.
Sein Freund beschreibt ihn als jungen Mann mit "lässiger, athletischer Gestalt, bleichen, scharfgeschnittenen, glattrasierten Zügen, lockigen schwarzen Haaren, einem kräftigen, gewissenlosen Mund und kalten, blauen Augen". Seine Wohnung ist vornehm eingerichtet und "hätte eher einem Dichterling als einem Sportler reinsten Wassers gehören können". ("Die Iden des März", im Original in: "Einbrecher aus Passion") Doch Raffles interessiert sich auch nicht wirklich für den Sport an sich. Er findet nur Gefallen an den taktischen Zügen des Spiels und dass es ihm einen Deckmantel für seine nächtlichen Aktivitäten bietet.
Nachdem er einige Jahre erfolgreich mit seinem Gefährten als Einbrecher tätig war, jedoch die ganze Zeit schon von Inspektor Mackenzie von Scotland Yard beobachtet wurde, wird Raffles schließlich auf dem Dampfer "Sachsen" (in späterer Übersetzung "Uhlan") gestellt, wo er ebenfalls einen Diebstahl begangen hat.
Während Raffles selbst sich mit einem Sprung über Bord rettet, wird sein Gefährte wegen Beihilfe verhaftet. ("Das Geschenk des Monarchen", im Original in "Einbrecher aus Passion")
Raffles verbringt einige Zeit in Italien, von wo er als sichtlich gealterter Mann zurückkehrt, nachdem er sich mit der Camorra anlegte und fliehen musste.
Zurück in England lebt er als Kranker im Hause eines Arztes unter dem Namen Maturin und stellt seinen alten Gefährten als Pfleger ein. Gemeinsam gehen sie nun des Nachts erneut auf Beutezug, bis eine ehemalige Geliebte Raffles ihn eines Tages wiedererkennt. Er muss seinen eigenen Tod vortäuschen.
Fortan wohnt er mit seinem Freund unter der Tarnung, dessen Bruder Ralph "aus den Kolonien" zu sein, in einem Haus an der Themse. Sie begehen weitere Einbrüche.
Als der Krieg losbricht, begeht Raffles sein letztes Verbrechen, indem er die Requisiten seiner eigenen Verbrechen, die die Polizei beschlagnahmte, aus einem Museum stiehlt.
Wenig später brechen er und sein Gefährte nach Südafrika auf, um freiwillig am Burenkrieg teilzunehmen. Als sein Gefährte im Gefecht verletzt wird und Raffles ihn vor den Einheimischen schützen will, wird er tödlich getroffen.

Harry "Bunny" Manders
Auch wann Bunny geboren wurde, wird nicht erwähnt, lediglich, dass er jünger ist als Raffles. Beide haben die gleiche Schule besucht und Bunny war Raffles' Leibfuchs. Er half Raffles, der als Kapitän der Kricketmannschaft einen Ruf zu verlieren hatte, mindestens einmal aus der Klemme. Auch sein Spitzname "Bunny" stammt aus dieser Zeit. Er hat jedoch nie eine Universität besucht.
Das einzige, was über Bunnys Aussehen gesagt wird, ist, dass er für einen Kerl nicht besonders groß ist, blondes Haar hat ("Die Erholungskur", "Der Dieb in der Nacht") und dass er keinen besonders üppigen Bartwuchs hat, weshalb er auf Raffles Freund Garland neidisch ist ("Raffles als Richter").
In seiner ärgsten Not sucht Bunny Hilfe bei Raffles, nachdem er an einem Abend mit Raffles und dessen Freunden Bakkarat gespielt und sein ganzes Geld verloren hatte. Zwar hatte er reich geerbt, doch das ganze Vermögen binnen drei Jahren ausgegeben und konnte nicht einmal seine Spielschulden begleichen.
Bunny ist an diesem Abend wild entschlossen, seinem Leben ein Ende zu machen, wovon Raffles ihn jedoch abhält und ihn stattdessen mit einer List zu einem Einbruch in einem Juweliergeschäft verleitet. Das sollte nicht das letzte Mal sein, dass Bunny von Raffles enttäuscht wird.
Trotzdem hilft Bunny Raffles fortan bei diversen Einbrüchen und Diebstählen und einmal sogar bei einer Entführung.
Auf der "Sachsen" bleibt Bunny allein zurück und geht für seine Beihilfe einige Zeit ins Gefängnis. Danach ist er geächtet, sowohl von seiner eigenen Familie als auch von der Gesellschaft. Er muss sich mit niederen Tätigkeiten verdingen, bis Raffles zurückkehrt und ihn als seinen "Pfleger" anheuert.
Als Raffles' Ex-Geliebte plötzlich wieder auftaucht, versucht Bunny ein ehrlicheres Leben zu führen und arbeitet als Journalist, jedoch nur mit mäßigem Erfolg. Wohl fühlt er sich dabei allerdings nicht, wie jedesmal, wenn er von Raffles getrennt ist. Sein Verhältnis lässt sich am besten mit seinen eigenen Worten beschreiben: "Wenn Raffles verloren war, so würde ich entweder nie mehr oder immer trinken, das fühlte ich." ("Wer zuletzt lacht...", "Die schwarze Maske", Originalübersetzung von 1903)
Er ist Raffles so sehr verbunden, dass er diesem sogar in den Krieg folgt, obwohl Bunny weder so patriotisch noch für das Soldatenleben geschaffen ist. Er wird dann auch schon bald im Krieg verwundet, und muss mitansehen, wie Raffles erschossen wird.
Nach Bunnys Rückkehr nach England erfährt er erst, welch großen und uneigennützigen Dienst Raffles ihm schon vor Jahren erwiesen hat, ohne ihm je ein Wort davon zu sagen.

Bücher/Veröffentlichungen

Die einzige (fast) vollständige Übersetzung der Geschichten stammt aus den Jahren 1903-1912 aus Engelhorns Allgemeine Roman-Bibliothek (jeweiliger Band und Jahrgang in Klammern), die auch die Geschichten in der Reihenfolge enthält, wie sie im Original erschienen (Original-Titel und Kürzel des Kanons in Klammern):


[links: Engelhorns Allgemeine Roman-Bibliothek, 20. Jahrgang, Band 7, 1903]
[rechts: Diogenes Verlag, ISBN 3-257-21579-7]

Band I: Einbrecher aus Passion (Engelhorn, Band 7, 20. Jahrgang)

1. Kapitel: Die Iden des März
(The Ides of March [IDES])
Schildert die Begegnung Raffles' und Bunnys nach einem gemeinsamen Bakkaratspiel, wobei Bunny seinem ehemaligen Leibburschen berichtet, dass er finanziell ruiniert ist und als einzigen Ausweg nur noch Selbstmord sieht.
Raffles verleitet Bunny zu einem Einbruch in einem Juweliergeschäft unter dem Vorwand, Geld von einem Freund leihen zu wollen.
Bunny kneift jedoch nicht, bleibt während des Verbrechens an Raffles Seite und schwört ihm auch später trotz seiner Gewissensbisse seine Hilfe.

2. Kapitel: Eine Aufführung im Kostüm
(A Costume Piece [COST])
Raffles hat sich als Objekt seiner Begierde die Diamanten von Ruben Rosenthall ausgeschaut, der sein Vermögen in afrikanischen Diamantenminen und als Diamantenschieber gemacht hat.
Obwohl Bunny davon nicht begeistert ist, auch weil Raffles ihn über all seine Vorbereitungen im dunkeln lässt, hilft er ihm doch bei seinem Vorhaben.
Kaum sind Raffles und Bunny in das Haus eingestiegen, werden sie von Rosenthall und dessen Preisboxer überrascht. Während Raffles fliehen kann, bleibt Bunny zurück. Rosenthall will Selbstjustiz üben, doch Raffles kann seinen Gefährten durch einen Trick befreien.

3. Kapitel: Dilettanten und Leute von Beruf
(Gentlemen and Players [GENT])
Raffles wird von seinem Bekannten Crowley zu einer Gesellschaft aufs Land eingeladen, wo eine Cricketpartie stattfinden soll. Obwohl Bunny keineswegs begeistert ist, begleitet er Raffles zu der Gesellschaft. Bald schon stellt sich heraus, dass Mackenzie von Scotland Yard ebenfalls unter den Gästen ist, der engagiert wurde, um einen Diebstahl zu verhindern. Bunny vermutet natürlich zuerst, der Detektiv sei hinter ihnen her, aber dann wird in der letzten Nacht ein Einbruch in das Zimmer einer alten Dame begangen; fast all ihre Juwelen werden gestohlen und Mackenzie bei der Verfolgung schwer verwundet. Raffles zieht seinen Nutzen aus der Sache: die einzigen übriggebliebenen Juwelen stahl er.

4. Kapitel: Le premier pas
(Le Premier Pas [PREM])
Raffles erzählt von seinem ersten Verbrechen, das er in Australien begang, als er selbst in arger Geldnot war. Von einem Arzt kam ihm zu Ohren, dass ein entfernter Verwandter Vorsteher einer Bank im Busch sein sollte. Unter dem Vorwand ihn kennenlernen zu wollen, sucht Raffles diese Bankfiliale auf und wird dort fälschlicherweise für den neuen Bankvorsteher gehalten, da der "richtige" Raffles noch nicht eingetroffen ist. Raffles nutzt die Gunst der Stunde, um die Bank zu erleichtern, als in der Nacht doch noch der richtige Filialleiter auftaucht, der im Busch überfallen worden war. Raffles kann aber entkommen.

5. Kapitel: Mord
(Wilful Murder [WILF])
Als Raffles' Hehler Baird, bei dem er stets unter falschem Namen und in Verkleidung auftritt, ihm auf die Schliche kommt, beschließt Raffles, ihn zu ermorden.
Bunny will ihn davon abhalten, scheitert aber mit allen Einwänden, die er gegen das Verbrechen erhebt. Natürlich unterstützt er Raffles trotzdem bei seinem Vorhaben.
Sie dringen in das Haus ein, finden Baird jedoch tot vor.
Es stellt sich heraus, dass der Täter ein Bekannter von Raffles und Bunny ist, den Raffles davor bewahrt, sich der Polizei zu stellen und ihm einen Platz auf einem Dampfer nach Amerika beschafft.

6. Kapitel: Ein Einbruch auf Bestellung
(Nine Points of the Law [NINE])
Raffles antwortet auf eine Zeitungsanzeige, die viel Geld verspricht. Vor Ort erfahren Raffles und Bunny, dass sie dafür ein Bild stehlen sollen, das seinem rechtmäßigen Besitzer gestohlen wurde, der es wiederhaben möchte. Raffles hat den Plan, sich mit dem derzeitigen Besitzer des Bildes zu verabreden, dann jedoch unter einem Vorwand abzusagen und das Bild aus dem Nebenzimmer zu entwenden, während Bunny mit dem Kerl plaudert. Übermütig zeigt er seinem Gast das Bild, bevor er es für die Überreise nach Australien versiegelt, und Bunny ist überzeugt, Raffles habe es nicht geschafft, es zu stehlen. Also beschließt er, selbst das Bild zu entwenden, was ihm auch gelingt. Dann jedoch stellt sich heraus, dass Raffles wohl das Original gestohlen und durch eine Kopie ersetzt hatte – eben jene Kopie, die Bunny dann stahl.

7. Kapitel: Ein gefährlicher Besucher
(The Return Match [RETU])
Als Raffles in Crowleys Haus die Juwelen stahl, wurde einer der "echten" Einbrecher auf ihn aufmerksam. Dieser Crawshay flüchtet eines Tages aus dem Gefängnis, sucht Raffles auf und verlangt als Mitwisser von ihm, dass Raffles ihm hilft, das Land zu verlassen. Raffles bringt ihn in seiner Wohnung im Albany unter und stößt dann unfreiwillig mit Mackenzie zusammen, der natürlich ebenfalls hinter Crawshay her ist. Zurück im Albany lässt Raffles Crawshay in seiner Kleidung fliehen, während er einen Überfall auf sich selbst vortäuscht.

8. Kapitel: Das Geschenk des Monarchen
(The Gift of the Emperor [GIFT])
Raffles überredet Bunny, ihn auf den Dampfer "Sachsen" (später: "Uhlan") zu begleiten. Auf dem Schiff befindet sich eine Perle, die ein Geschenk eines Kaisers des Kontinents für den Herrscher eines Inselstaats sein soll, und ebendiese hat Raffles sich ausgeschaut, um sie zu stehlen.
Bunny ist schlechter Laune, da Raffles sich mehr mit einer jungen Frau beschäftigt, die ebenfalls an Bord ist und die sich später als Raffles Verlobte herausstellt, hilft ihm aber trotzdem bei dem Coup.
Ebenfalls auf dem Schiff befindet sich Inspektor Mackenzie von Scotland Yard, der Raffles auf die Schliche gekommen ist und ihn stellen will.
Das letzte, was Bunny für seinen Freund tun kann, ist, die Beamten von ihm fernzuhalten, bis Raffles sich mit einem Sprung über Bord gerettet hat. Bunny wird verhaftet.



[Engelhorns Allgemeine Roman-Bibliothek, 20. Jahrgang, Band 8, 1903]

Band II: Die schwarze Maske (Band 8, 20. Jahrgang)

1. Kapitel: Kein leichter Posten
(No Sincecure [SINE])
Bunny, aus dem Gefängnis entlassen und nun von allen geächtet, wird durch einen Brief seines Vetters auf eine Stellenausschreibung als Krankenpfleger aufmerksam gemacht. Er bewirbt sich hierauf und findet in dem Kranken seinen Freund Raffles wieder, der nun unter dieser Tarnung lebt.

2. Kapitel: Ein Jubiläumsgeschenk
(A Jubilee Present [JUBI])
Raffles schlägt vor, in das Britische Museum einzubrechen. Bunny ist natürlich dagegen. Als sie dort sind, ergibt sich prompt eine gute Gelegenheit, glaubt aber, Raffles hätte sie nicht genutzt. Raffles hatte allerdings ein Auge auf einen goldenen Becher geworfen, den er sogleich unter seinem Hut versteckt, aus dem Museum schmuggelt. Patriotisch, wie Raffles ist, schickt er den goldenen Becher per Post der Queen zum 60. Thronjubiläum zu.

3. Kapitel: Faustinas Geschick*
(The Fate of Faustina [FATE])
Raffles erzählt von seiner Zeit in Italien, nachdem er sich von dem Dampfer gerettet hatte. Er verdingte sich mit niederen Arbeiten, geriet dann jedoch ins Fadenkreuz der Camorra, da er sich in die Frau verliebte, die einem Ehrenmann versprochen war. Die Camorra tötet die Frau, Raffles den Ehrenmann und lässt dessen Capo Graf Corbucci gefesselt in seiner Villa zurück in der Hoffnung, dass er nicht rechtzeitig gefunden würde.
Er muss sich noch einige Zeit ohne Geld durch Italien schlagen, bevor er als sichtlich gealterter Mann nach England zurückkehrt.

4. Kapitel: Wer zuletzt lacht...
(The Last Laugh [LAST])
Corbucci und sein Gefolge haben Raffles aufgespürt und wollen sich an ihm rächen. Raffles folgt einem der Männer und wird dabei von ihnen überwältigt.
Bunny indessen macht sich große Sorgen, hat aber keinen Hinweis, wo Raffles abgeblieben ist, bis ihn am Vormittag des nächsten Tages ein Italiener aufsucht und ihn zu einem Haus führt, wo er Raffles gefoltert, aber am Leben, vorfindet.
Corbucci und seine Männer allerdings kamen durch ihre eigene Arroganz ums Leben.

5. Kapitel: Einen Dieb zu verhaften
(To Catch a Thief [CATC])
In den feinen Häusern Londons werden Einbrüche begangen und die Polizei ist ratlos. Raffles vermutet, dass der Einbrecher selbst einer der Oberschicht ist, nämlich Lord Ernest, und dass er gerade an einem großen Coup ist. Also beschließt er, in Ernests Räumlichkeiten einzudringen und ihm die Diamanten seines letzten Diebstahls abzujagen, während Ernest außer Haus ist. Als sie die Juwelen endlich ausfindig gemacht haben, kehrt Ernest zurück. Raffles spielt ein gewagtes Spiel, indem er sich als Beamter von Scotland Yard ausgibt, der Ernest angeblich ertappt hat und nun seiner Strafe überführen möchte. So gelingt es Raffles, aus dem Haus zu kommen, doch Bunny muss zurückbleiben und wird von Ernest niedergestreckt, der flieht. Raffles kehrt zurück, um nach Bunny zu sehen und gemeinsam gehen sie zu Raffles Wohnung. Ebendort allerdings lauert Ernest auf sie. Bei dem Versuch, ihnen die Juwelen wieder abzunehmen, stirbt er.

6. Kapitel: Eine alte Flamme
(An Old Flame [OLDF])
Übermütig kommt Raffles auf die Idee, während eines Spaziergangs in ein Haus einzusteigen, wo er doch eigentlich den kranken Maturin spielt. Dieses Haus stellt sich leider als das seiner Verflossenen Saillard heraus und nun weilt er zumindest für sie nicht mehr unter den Toten. Als sie ihn immer weiter bedrängt, entlässt er Bunny aus seinen Diensten und schickt ihn, eine neue Bleibe für sie zu suchen. Nur durch Zufall erfährt Bunny, dass Raffles alias Maturin an Typhus gestorben ist und im nächsten Augenblick sieht er sich einem Polizisten mit Haftbefehl gegenüber. Die Sache klärt sich jedoch schnell auf: der Polizist ist kein anderer als Raffles, der seinen Tod vor Saillard noch einmal vortäuschen musste.

7. Kapitel: Das unrechte Haus
(The Wrong House [WRON])
Raffles beschließt, bei dichtem Nebel in ein Haus einzubrechen. Leider erwischt er dabei das falsche Haus und gerade als er eine Öffnung in die Tür gebohrt hat, um das Schloss zu öffnen, wird er von einer Schar Schüler von der anderen Seite der Tür festgehalten. Bunny lockt die Kinder auf eine falsche Fährte und befreit Raffles aus seiner misslichen Lage. Als der Lehrer auftaucht, müssen sie fliehen und entgehen nach einer Verfolgungsjagd auf dem Fahrrad nur knapp einer Verhaftung.

8. Kapitel: Die Kniee der Götter
(The Knees of the Gods [KNEE])
Raffles, beseelt von dem Gedanken, am Krieg in Südafrika teilzunehmen, beschließt, auf eigene Faust zur Front zu reisen und sich freiwillig als Soldat zu melden. Natürlich begleitet Bunny ihn.
Nachdem sie in Afrika noch mit mehr Widrigkeiten als nur dem Krieg zu kämpfen haben, wird Raffles von einem Vorgesetzten erkannt.
Als die Einheit unter Beschuss gerät, wird Bunny verwundet. Raffles wird, während er sich um ihn kümmert, erschossen.



[links: Engelhorns Allgemeine Roman-Bibliothek, 25. Jahrgang, Band 3, 1908]
[mitte: Engelhorn Verlag, Doppelausgabe Einbrecher aus Passion und Ein Dieb in der Nacht, 1923]
[rechts: Diogenes Verlag, ISBN 3-257-20237-7]

Band III: Der Dieb in der Nacht (Band 3, 25. Jahrgang)

1. Kapitel: Aus dem Paradies verstoßen*
(Out of Paradise [PARA])
Den ärgsten Schlag trifft Bunny, als Raffles, von Bunnys Informationen geleitet, in das Haus seiner Verlobten einbrichen will, von der Bunny sich gerade erst wegen seiner neuerlichen Karriere als Verbrecher getrennt hat. Da Raffles ihn beruhigte, dass nun jemand anders in dem Haus lebt, lässt Bunny sich nicht davon abhalten, ihn bei seinem Raubzug zu begleiten. Doch stellt sich heraus, dass keineswegs ein anderer in dem Haus lebt und sie werden eben von Bunnys Freundin entdeckt. Raffles flieht. Bunny wird von seiner Freundin versteckt gehalten, bis die Luft rein ist und dann fortgeschickt. Obwohl Raffles zurückkam, um ihn zu retten, beschließt Bunny, fortan nichts mehr mit ihm zu tun haben zu wollen. Seiner Ehre und seiner Verlobten beraubt, erkennt er jedoch schnell, dass Raffles der einzige ist, der ihm geblieben ist und dessen Freundschaft er nicht missen möchte.

2. Kapitel: Die Silbertruhe
(The Chest of Silver [CHES])
Raffles erzählt Bunny, dass im Albany bereits über ihn geredet wird und er deshalb über Ostern nach Schottland fahren will. Bunny soll sein Geld und sein gestohlenes Silber für ihn in der Bank deponieren. Ohne ein Wort reist Raffles also ab und lässt Bunny verärgert zurück. Trotzdem tut der, wie ihm geheißen, und deponiert die Truhe in der Bank. Am nächsten Tag erfährt er aus der Zeitung, dass gerade jetzt die Bank eingebrochen wurde. Bunny fürchtet, Raffles gestohlenes Silber würde entdeckt werden. Auf der Bank macht ihm der Kommis den Vorwurf, der ganze Einbruch sei nur wegen Bunnys auffälliger Truhe passiert und ausgerechnet diese Truhe war nicht erbrochen worden. Bunny lässt die Truhe in seine Wohnung bringen und zu seinem Erstaunen stellt er fest, dass sich in der Truhe keineswegs Silber sondern Raffles befindet. Er war der Einbrecher in der Bank.

3. Kapitel: Die Erholungskur*
(The Rest Cure [REST])
Bunny steckt in Geldnot und Raffles ist spurlos verschwunden. Schließlich erscheint Raffles seinem Freund in Verkleidung und schlägt ihm vor, in seinem, für den Sommer angemieteten Haus mit ihm zusammen zu wohnen. Schnell wird jedoch klar, dass Raffles das Haus gar nicht angemietet, sondern in es eingebrochen ist und sich nun darin eingenistet hat, während die Besitzer des Hauses verreist sind.
Während Raffles die Zeit meist alleine verbringt, Bücher liest und die Gegend auskundschaftet, langweilt sich Bunny, bis plötzlich der Herr des Hauses auftaucht. Raffles überwältigt ihn und Bunny und er lassen ihn gefesselt in dem Haus zurück. Da Raffles bei dem Kampf verwundet wurde, beschließt er, eine Weile aus der Stadt zu verschwinden. Bunny begleitet ihn, doch allzubald regt sich sein schlechtes Gewissen, dass der Herr des Hauses sterben könnte, wenn ihn keiner entdeckt und er will zurück, um ihn zu befreien. Raffles indes hatte der Polizei eine Nachricht zukommen lassen, die den Mann längst befreiten.

4. Kapitel: Der Kriminologistenklub
(The Criminalist's Club [CRIM])
Raffles erhält eine Einladung zu einer Gruppe Amateur-Kriminologen, die von ihm als Sportler wissen wollen, ob Berufsspieler und Verbrecher von den gleichen Beweggründen angetrieben werden. Raffles nimmt Bunny natürlich mit zu dem Treffen und noch bevor der Abend zu Ende ist, beschuldigen die Hobby-Kriminologen Raffles, ein Dieb zu sein, und werden doch gleichzeitig gebremst, indem ein Einbruch in das Haus verübt wird, während sie alle bei Tisch sitzen. Der Gastgeber muss sich bei Raffles entschuldigen. Zurück in Bunnys Wohnung erklärt Raffles, dass er es wohl war, doch bereits in der letzten Nacht. An diesem Abend hat er nur ein wenig Durcheinander gemacht, um es wie einen Einbruch aussehen zu lassen.

- Ohne deutschen Titel - ("Die Ebenen von Philippi")
(The Field of Philippi [FIEL])**
Raffles und Bunny fahren zu dem Ehemaligen-Treffen ihrer alten Schule. Auf dem Weg dorthin trifft Raffles auf seinen alten Intimfeind Nasmyth, der nun zu einem der Schultreuhänder und zum Bankvorsteher ernannt wurde, wie schon sein Vater früher. Nasmyth möchte verhindern, dass im nächsten Jahr, zum großen Jubiläum der Schule, eine Statue des Schulgründers aufgestellt werden soll. Raffles kündigt ihm sofort an, gegen ihn zu stimmen. Bei der Feier treffen die beide noch einmal aufeinander und jeder ergreift zu diesem Thema Partei, wobei Raffles seinen Feind damit ärgert, dass er ihn als "in Wirklichkeit netten Kerl" hinstellt. Nasmyth ahnt, dass Raffles in der Stadt nicht nur sein Leben mit Kricketspielen verbringt. Raffles schleppt Bunny mit, um in Nasmyth' Bank einzubrechen. Nur durch Glück und Raffles' Geistesgegenwart werden sie auf dem Rückweg nicht geschnappt. Raffles geht am Ende sogar noch als "Held" hervor, weil jeder glaubt, er hätte den Dieb verfolgt. Zurück in London schickt Raffles das gestohlene Geld anonym an die Gründerstiftung der Schule und jeder nimmt an, Nasmyth hätte das Geld gespendet.
>> deutsche Übersetzung als PDF

5. Kapitel: Eine böse Nacht
(A Bad Night [BADN])
Raffles hat einen Einbruch geplant, doch dann wird er gerade für diesen Tag in die Kricketmannschaft gewählt. Bunny überredet ihn, das für ihn zu übernehmen. In dem Haus ist zu der Zeit nur der asthmakranke Medlicott und seine Mutter. In der Nacht wird Bunny natürlich prompt von Medlicott bemerkt, noch bevor er in das Haus eindringen kann. Er gibt sich als Versicherungsagent aus und Medlicott bittet ihn, ins Haus zu kommen und ihm bei seinem Asthmaanfall beizustehen. Bunny sieht keine andere Möglichkeit, um seine Maskerade aufrecht zu erhalten. Dann ereignet sich jedoch wirklich ein Einbruch in das Haus und Bunny schlägt den Dieb nieder: es handelt sich um niemand anderen als Raffles! Während Bunny Medlicott nach der Polizei schickt, fliehen Bunny und Raffles. Raffles wollte Bunny nur bei der Arbeit beobachten, ließ es sich dann jedoch nicht nehmen, doch noch etwas aus dem Haus zu stehlen.

6. Kapitel: Eine Einbrecherfalle
(A Trap to Catch a Cracksman [TRAP])
Bunny erhält einen Anruf von Raffles, in dem er erzählt, dass er in einer Falle gefangen ist und noch bevor er zu Ende sprechen kann, bricht er zusammen. Bunny weiß nur, dass Raffles im Haus eines neuen Bekannten ist. Bunny eilt dorthin, findet jedoch schon die versammelte Gesellschaft und mit ihnen zusammen den verkleideten Raffles. Der Hausbesitzer hatte sich zuvor bereits gebrüstet, dass er eine Einbrecherfalle hätte, um seine Wertgegenstände zu schützen. Doch Raffles' Geistesgegenwart ist es zu verdanken, dass die Gesellschaft selbst in die Falle des Gastgebers tappt: die Falle bestand aus Alkohol mit einem starken Schlafmittel. Als alle schlafen, weckt Bunny Raffles und sie hecken einen Plan aus, wie sie beide ungeschoren aus der Sache herauskommen.

Die Früchte eines Frevels
(The Spoils of Sacrilege [SPOI])***
Bunny schlägt vor, in das Haus einzubrechen, in dem er aufwuchs und das nun einen neuen Besitzer hat. Noch ehe sie viel entwenden können, werden sie entdeckt und können ihren Verfolgern nur knapp entwischen. Sie müssen sich in einem Gartenhaus verstecken und als die Gesellschaft die Verfolgung der Diebe plötzlich abbricht, stiehlt sich Raffles ins Haus zurück, um ihnen unauffällige Kleidung zu verschaffen. Zurück in Raffles Wohnung gesteht Bunny, dass er den gestohlenen Schmuck im Haus zurückließ, weil er es nicht übers Herz brachte, doch Raffles präsentiert ihm eben diesen Schmuck, den er bei seinem zweiten Besuch im Haus mitgehen ließ.

7. Kapitel: Raffles'sche Reliquien
(Raffles' Relics [RAFF])
Raffles schlägt vor, als letzten Coup seine von der Polizei beschlagnahmten Requisiten aus dem Polizeimuseum zu stehlen. Bunny und er gehen also hin und während Bunny ihren Führer ablenkt, schaut sich Raffles seine alten Werkzeuge an und ist plötzlich verschwunden. Bunny ist verwirrt, kehrt aber schließlich alleine nach Hause zurück. Wie er später erfährt, hatte sich Raffles in einer speziellen Truhen versteckt und seine Werkzeuge gegen ähnlich aussehende anderer Verbrechen ausgetauscht.

8. Kapitel: Schlusswort*
(The Last Word [LAST])
Bunny kehrt verwundet aus dem Krieg zurück und trifft zufällig auf seine ehemalige Verlobte, die ihm daraufhin einen Brief zukommen lässt. Darin erzählt sie ihm, dass Raffles nach dem Einbruch in das Haus damals noch einmal bei ihr war, ihr erzählte, wer er wirklich ist und dass die ganze Schuld an der Entzweiung von ihr und Bunny ihn allein trifft. Somit gab Raffles sein Schicksal in ihre Hände. Sie jedoch möchte Bunny nun gerne wiedersehen, wenn er die Vergangenheit vergessen kann.



[links: Engelhorns Allgemeine Roman-Bibliothek, 28. Jahrgang, Band 17/18, 1912]
[rechts: Verlag Das Neue Berlin]

Band IV: Raffles als Richter (Bände 17/18, 28. Jahrgang)
Raffles hat das Smaragd-Collier der Frau des stadtbekannten und berüchtigten Geldverleihers Dan "Shylock" Levy gestohlen. Dann erfährt er, dass Teddy Garland, den er unter seine Fittiche genommen hat, und auch dessen Vater enorme Schulden bei eben jenem Geldverleiher haben. Teddy ist so verzweifelt, dass er am Abend, bevor sein Wechsel fällig wird, einen Scheck in Raffles Namen fälscht und dabei von Raffles und Bunny erwischt wird. Raffles beschließt, "ehrlich" Geld von Levy zu borgen und Bunny den Wechsel auslösen zu lassen. Teddy soll sich nur auf sein Cricketturnier am nächsten Tag konzentrieren. Am nächsten Morgen führen sie den Plan durch, doch Levy durchschaut den Plan und nur ein Trick rettet die beiden.
Als sie in Raffles Wohnung zurückkommen, ist Teddy verschwunden, und er ist auch nicht bei Lord's oder im Haus seines Vaters zu finden. Nur der Regen rettet Teddy davor, bei seiner Mannschaft bloßgestellt zu werden und eine List bringt ihn zurück. Schließlich taucht auch noch Levy auf, der nach Raffles Streich mit dem Wechsel möchte, dass die Garlands das Haus innerhalb einer Woche verlassen, da es durch etliche Hypotheken inzwischen dem Geldverleiher gehört.
Levy hat Raffles nun auch im Verdacht, ihm in Karlsbad einen Streich gespielt zu haben und fordert von ihm, dass er einen Einbruch begeht und für ihn einen Brief zurückholt. Raffles möchte Bunny aus dieser Sache heraushalten und bestellt ihn zu einer Zeit, wo er den Einbruch längst verübt haben wollte. Doch Bunny sieht, dass sein Freund beschattet wird und folgt ihm in das Haus. Nur knapp gelingt es ihnen, ihren Verfolgern zu entwischen. Diese Männer waren von Levy und sollten Raffles sofort den Brief abnehmen. Raffles und Bunny bringen den Brief zu Levy, der sich seiner bemächtigt und ihn verbrennt, dann kommt es zum Kampf, in dem Levy unterliegt. Raffles und Bunny schaffen Levy in einem Boot zu einem verlassenen Haus und halten ihn dort gefangen, bis er alles tut, was Raffles von ihm verlangt.
Als die Sache für die Familie Garland wieder zum Positiven steht, lässt Raffles seinen Gefangenen frei. Am nächsten Morgen jedoch wird Levy tot aufgefunden. Mackenzie von Scotland Yard nimmt die Ermittlungen auf und Raffles sieht keinen anderen Weg, als eine Reise zum Kontinent zu unternehmen, bis sich die Wogen geglättet haben.

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* Diese Geschichten sind nur in den frühen Ausgaben des Engelhorn Verlags vorhanden, obwohl sie die Charaktere der Protagonisten noch einmal in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Vor allem "Faustinas Geschick" ist notwendig, um die darauf folgende Geschichte "Wer zuletzt lacht..." vollkommen zu verstehen.
** Wurde nie auf deutsch ve röffentlicht, warum auch immer.
*** Ist in der alten Ausgabe des Engelhorn Verlags nicht vorhanden, wohl aber in "Der Amateur-Einbrecher" des Diogenes Verlags von 1988.

Autor

Ernest William Hornung
* 7. Juni 1866 in Grove Hill, Middlesbrough
† 22. März 1921 in St. Jean de Luz, Frankreich

Arbeitete als Journalist in London, wo er Anfang der 1890er Jahre Arthur Conan Doyles Schwester kennenlernte und heiratete.
Nach dem Erfolg seines Schwagers begann Hornung ebenfalls mit dem Schreiben von Kriminalgeschichten. 1899 erschien sein erster Raffles-Band "Raffles - Der Amateur-Einbrecher". Obwohl er auch andere Werke verfasste, sind nur seine Raffles-Geschichten wirklich bekannt geworden.