Philipp Collin
Prolog

Wie Hunde oft verblüffende Ähnlichkeiten zu ihrem Herren aufweisen, so gleichen auch Romanfiguren zuweilen ihren Autoren. Bei Herrn Collin, einem Hochstapler, der in seiner Heimat wegen Betrugs gesucht wird, schließlich nach Paris geht und unter dem Namen Pelotard auftritt, ist es jedenfalls ganz sicher so, dass seine Geschichte der seines Erfinders Frank Heller gleicht, der eigentlich Gunnar Serner hieß und ebenfalls wegen Betrugs sein Heimatland verlassen musste.

Collin ist im Vergleich zu Arsène Lupin ein harmloser Zeitgenosse und scheut sich im Gegensatz zu Raffles, sich wirklich die Hände schmutzig zu machen. Er hat sehr absonderliche Ideen, wie er zu Geld kommen kann. Anstatt einfach jemanden zu bestehlen, betreibt er z.B. als Professor Pelotard Forschung über fanatische Sammelwut, bloß um gleichzeitig einen Laden zu betreiben, der stets genau das Richtige für eben diese Sammelwütigen anbietet.

Als Anspielung auf Lupins geistigen Vater Maurice Leblanc begegnet Collin in Rom Maurice Lebrun, der Romane um Renard Lepin geschrieben hat und sich nun mitten in einer Schreibblockade befindet. Collin hilft auf eigene Weise: er schreibt Lebruns neuesten Roman und verlangt dafür die Hälfte von Lebruns Honorar...

Protagonist/en

Philipp Collin
Collin wurde 1875 in der Gemeinde Dunderyd (Schweden) als Sohn eines schwedischen Importhändlers und einer Französin geboren.
Seine Eltern starben, als er gerade erst neun war, und er wuchs bei Verwandten seines Vaters auf. Mit 18 Jahren begann er sein Studium, von dem zuerst keiner recht wusste, was er studierte, dass er dann aber sechs Jahre später mit dem juristischen Examen abschloss. Danach arbeitete er als Anwalt in einer Kanzlei in Kristianshamn und seine Zukunft sah recht zuversichtlich aus.
Er begann, an ausländischen Börsen zu spekulieren, wo er natürlich eine beträchtliche Summe Geld verlor. Einige Jahre und viele hunderttausend Kronen später wurde Collin sowohl in Schweden wie auch in Dänemark wegen diverser Betrügereien gesucht.
Collin reiste quer durch Europa: London, Paris, Rom – wo er sich meist als Professor Pelotard ausgab und eine Unzahl weiterer Betrügereien und Hochstaplereien durchführte. Dabei behilflich sind ihm seine beiden Komplizen Lavertisse und Graham.
Den Tag, an dem er Schweden verließ, der 29. September (1904), zelebriert Collin jedes Jahr in einem Restaurant, in dem Schweden verkehren.

 

Bücher/Veröffentlichungen


[Diogenes Verlag, ISBN 3-257-20238-5]

Herrn Collins Abenteuer

1: Das Automobil 12 M 1000
Collin sucht sein Glück in London, wo sein erstes Erlebnis leider darin besteht, dass er um seine komplette Reisekasse erleichtert wird. Er ahnt, dass es sein Mitreisender auf dem Dampfer war, der ihm das Geld stahl, und er findet auch schnell heraus, wer dieser Mann ist: der Hellseher El Kabir. Collin heuert bei ihm in Verkleidung als indischer Diener an und findet heraus, dass der Kerl einen viel größeren Coup plant. Am Ende verhindert Collin einen Banküberfall und bringt den Räuber seines Geldes hinter Gitter.

2: Das Abenteuer der zerstreuten Herren
Collin gibt sich als Forscher Prof. Pelotard aus, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Sammelwut zu erforschen. Er startet daher eine große Kampagne, in der er Menschen mit seltsamen Sammelleidenschaften sucht, bloß um in einem Antiquitätenladen, der ihm ebenfalls gehört, bald darauf eben diese Sammelobjekte anzubieten. Detektiv Kenyon durchschaut am Ende seinen Plan.

3: Mr. Isaacs' betrübliche Geschichte
Collin wird auf einer Reise von Mr. Isaacs betrogen, der ihm Aktien seiner fast bankrotten Firma zu überhöhtem Preis verkauft. Als Collin dieser Schwindel bewusst wird, holt er sich eine Drehgenehmigung für die Straße, in der Isaacs wohnt und lässt den Kerl vor den Augen der Polizei und seiner Frau von einem Komplizen entführen. Dann verschafft er allen geprellten Anlegern wieder ihr verloren geglaubtes Kapital und natürlich auch sein eigenes.

4: Die verschwundene Geldsendung
Collin möchte Gold von einem Dampfer stehlen. 600 Kilogramm Gold, um genau zu sein. Er gibt sich als Geistlicher aus, der auf Malta seine letzten Tage verbringen möchte. Seinen Grabstein hat er auch schon dabei. Keine Frage, dass während der Fahrt die Grabsteinkiste und die Goldkisten ihren Inhalt wechseln. Außerdem hilft er noch, einen Verbrecher zu überführen, der es ebenfalls auf das Gold abgesehen hatte.

5: Herr Collin wird Straßenbesitzer
In Hamburg trifft Collin auf einen russischen Großfürsten, mit dem er die Nacht durchzecht. Genaugenommen zecht der Russe und Collin staunt. Leider landet der Russe am Ende der Nacht in der Ausnüchterungszelle und sein Diener sucht ihn verzweifelt. Collin kann ihm weiterhelfen. Als Dankeschön schenkt der Russe ihm eine ganze Londoner Straße.

6: Herrn Collins Ferienagentur
Collin sucht in London nach einer, seinen Wünschen angemessenen Behausung. Als er etwas Passendes findet, muss er leider feststellen, dass er nicht zu dem erlauchten Kreis gehört, der dort einmieten darf. Collin beschließt, sich zu rächen: als alle Bewohner betreffender Straße (es sind bloß acht Häuser) im Sommerurlaub sind, überredet er den Hausverwalter (ein Landsmann von ihm), in seine Heimat zu fahren. Collin vermietet derweil die Häuser an andere Leute.

7: Die blauäugige Lüge
Collin trifft am Jahrestag seines Fortgangs aus Schweden eine Landsmännin namens Sigrid Holten, in die er sich sogleich verliebt. Ziemlich spät erst wird ihm klar, dass sie ihn die ganze Zeit über nur an die Polizei verraten wollte, um die Belohnung zu kassieren, die auf ihn ausgesetzt wurde. Collin fingiert seinen Selbstmord, zugegebenermaßen bereits auf den ersten Blick als Finte klar erkennbar, und flieht.

 

Lavertisse macht den Haupttreffer (Collins Abenteuer, 2. Band)

 


[Verlag Georg Müller München, 1923]

Herr Collin ist ruiniert
Nach dem Krieg lebt Collin etwas abgebrannt in Rom und lockt auch seine alten Gefährten Lavertisse und Graham dorthin, ohne dass sie von ihm wissen. Lavertisse hat nun ohnehin vor, ein ehrlicher Mensch zu werden, nachdem er im Krieg für sein Vaterland diente und mit Frankreich nun also quitt ist. Leider stößt Lavertisse unterwegs auf den unliebsamen Marquis de Bracciano, einen Betrüger und wankelmütigen Politiker, der ihn um seine Reisekasse bringt. So ist Lavertisse gezwungen, alle möglichen Jobs anzunehmen, um sich über Wasser zu halten.
Auch Collin versucht zu Geld zu kommen. In Rom hat er den Autor Maurice Lebrun (eine wenig verhohlene Anspielung auf Maurice Leblanc) und den Kritiker Brüggemeyer kennengelernt. Beide können sich auf den Tod nicht ausstehen und beide leiden an einer Schreibblockade. Er löst das Problem auf seine Weise: er schreibt Geschichten und Kritiken im Namen der beiden Herren und versucht, sie davon zu überzeugen, ihm die Hälfte ihres Honorars zu überlassen. Als das nicht funktioniert, ergaunert er sich das Honorar einfach.
Lavertisse hat den Marquis inzwischen durch einen Trick um seine politische Wahl gebracht, was diesem überhaupt nicht gefällt, und hat von der italienischen Polizei "auf ehrliche Weise" Geld ergaunert.
Collin kauft das Gartenhaus des Marquis de Bracciano, der Graham und Lavertisse inzwischen entführt hat, unter dem Vorwand, Ciceros Werke zu studieren. Heimlich richtet Collin den Garten des Hauses so her, dass er dem Marquis weismachen kann, er hätte eine wichtige, archäologische Entdeckung gemacht. Der Marquis enteignet ihm das Haus natürlich sofort und auf verbrecherische Weise wieder. Also schmiedet Collin einen Plan: er lädt Lebrun, Brüggemeyer und den Marquis ein und lässt dann alle als Kommunisten von der Polizei verhaften. Dann befreit er seine beiden Freunde und sie bedienen sich der Schmiergelder, die Bracciano in seinem Haus verwahrte.

Autor

Martin Gunnar Serner – unter dem Pseudonym Frank Heller
* 20. Juli 1886 in Lösen/Blekinge
† 14. Oktober 1947 auf Bornholm

Der Sohn eines Pfarrers besuchte das Gymnasium, studierte Philologie und promovierte 1910.
Wegen eines falschen Wechsels verließ er sein Heimatland und flüchtete durch ganz Europa. Das Vermögen, das er als Startkapital erschwindelte hatte, verspielte er in Monte Carlo. Fortan lebte er unter dem Pseudonym Frank Heller und begann aus Geldnot, Abenteuer- und Kriminalromane zu schreiben. Seine bekannteste Romanfigur ist Philipp Collin.